Carl & Strups Welt

Der historische Zeitstrahl – Carl Stülpner und seine Zeit

Links die Lebenschronologie, rechts die Geschichte. Historischer Kontext trägt sein eigenes Datum, ohne den Hauptstrahl zu verschieben.

Carl Stülpner

Perspektive

Historischer Vorlauf

Carl Stülpner

1762 — 1832

Scharfenstein · Erzgebirge

17. Jahrhundert

Leben im Erzgebirge

Unter der Erde lag Silber, darüber war das Leben karg. Lange Winter, harte Arbeit und die Abhängigkeit von der Herrschaft bestimmten den Alltag vieler Familien. Der Berg, der Wald und das Handwerk gaben ihnen, was sie zum Leben brauchten.

Carl wird geboren.

30. September · Scharfenstein

In diesem Dorf fängt sein Leben an.

Bandeintritt

Im Buch

Einordnung · 1762

Warum ist dieser Band wichtig?

Als Carl 1762 geboren wurde, dauerte der Siebenjährige Krieg noch an.

Sachsen und das Erzgebirge waren von Krieg und Unsicherheit geprägt. Carl wuchs als jüngstes von acht Kindern in einfachen Verhältnissen auf einem Häusleranwesen in Scharfenstein auf – einem kleinen Anwesen der ländlichen Unterschicht.

Herrschafts- und Besitzrechte bestimmten den Alltag einfacher Menschen: Wald, Wild und viele Möglichkeiten, den eigenen Lebensunterhalt zu sichern, standen ihnen nicht frei zur Verfügung. Band 01 zeigt damit die Welt, in die Carl hineingeboren wurde – und aus der sich vieles von dem erklärt, was sein späteres Leben prägen sollte.

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Brennende Fragen

Nachweise

Woher wissen wir das eigentlich?

Belegt, überliefert oder erzählerisch verdichtet: Hier wird die Quellenlage zu Band 01 sichtbar – ohne erfundene Primärquellen.

Historisch belegt Überliefert Künstlerisch verdichtet

Quellen & Nachweise

  • Carls Familie

    Carl ist das jüngste von acht Kindern.

    Historisch belegt

    Literatur

    Johannes Pietzonka
    Carl Stülpner – Legende und Wirklichkeit
    S. 15

  • Die schwarzen Husaren

    Zur Stunde seiner Geburt erzählt die Überlieferung von schwarzen Husaren.

    Überliefert

    Ursprung der Erzählung

    Schönberg · Stülpner-Biographie

    Historischer Kontext

    Schwarze Husaren sind unabhängig davon für die Region zeitgenössisch nachgewiesen. Pietzonka (S. 15) nennt 1761 Exzesse von Husaren in Großolbersdorf und führt das Tagebuch des Pfarrers von Schönbrunn zum Bellingschen schwarzen Husaren-Corps an.

    Einordnung

    Die konkrete Szene am Geburtshaus stammt dagegen aus der Stülpner-Überlieferung. Ob gerade diese Husaren vor dem Haus der Familie Stülpner standen, lässt sich unabhängig nicht belegen.

    Literatur

    Johannes Pietzonka
    Carl Stülpner – Legende und Wirklichkeit
    S. 15

  • Die Szene im Buch

    Band 01 zieht die überlieferte Husarenepisode erzählerisch aus.

    Künstlerisch verdichtet

    Grundlage

    Überlieferung der Husarenepisode.

    Historischer Rahmen

    Die militärische Präsenz in der Region ist historisch nachweisbar.

    Gestaltung im Band

    Dialoge, konkrete Abläufe und einzelne szenische Details sind erzählerische Gestaltung.

Historiker ·

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Noch tiefer in Carls Welt.

Geschichte, Wissen und Materialien – passend zu deiner Perspektive.

Vor Carl

Bevor Carl geboren wurde.

Millionen Jahre Erdgeschichte. Jahrhunderte voller Wald, Erz, Arbeit, Krieg und Wandel – bis 1762 ein Junge in Scharfenstein geboren wird.

  1. vor rund 340–300 Millionen Jahren

    Ein Gebirge entsteht.

    Historisch belegt

    Erdplatten stoßen zusammen. Gesteine werden tief versenkt, unter gewaltigem Druck verändert und wieder emporgehoben. Gegen Ende dieser Gebirgsbildung steigt Magma auf und erstarrt tief unter der Erde zu Granit.

    Natur
    Farne · Schachtelhalme · Bärlappgewächse
    Tiere
    Gliederfüßer · Amphibien · frühe Reptilien
  2. Millionen Jahre später

    Das alte Gebirge verschwindet.

    Historisch belegt

    Kein Gebirge hält ewig. Wasser, Wind und Verwitterung tragen die alten Höhen über gewaltige Zeiträume wieder ab. Gestein, das einst tief im Untergrund lag, gelangt immer näher an die Oberfläche.

    Natur
    Abtragung · Verwitterung · Flüsse
  3. seit etwa 30 Millionen Jahren

    Das Erzgebirge erhebt sich.

    Historisch belegt

    Die Erdkruste hebt sich und kippt. Nach Sachsen fällt das Erzgebirge vergleichsweise sanft ab, nach Böhmen deutlich steiler. Geologen nennen diese gekippte Form eine Pultscholle.

    Natur
    Hochflächen · Täler · Flüsse
  4. vor rund 21 Millionen Jahren

    Feuer formt die Landschaft.

    Historisch belegt

    Lava fließt durch ein damaliges Flusstal am heutigen Scheibenberg. Später wird das weichere Gestein ringsum stärker abgetragen. Das harte vulkanische Gestein bleibt stehen – aus dem früheren Tal wird eine Höhe.

    Natur
    Lava · Basalt · Reliefumkehr

    Moment mal …

    War der Scheibenberg wirklich ein Vulkan?

    Nicht der Berg selbst. Was heute oben liegt, ist der Rest eines Lavastroms, der einst durch ein Tal floss. Der Ausbruchsort lag anderswo.

  5. Eiszeiten

    Kälte prägt das Erzgebirge.

    Historisch belegt

    Das Klima wird immer wieder extrem kalt. Das Erzgebirge liegt zeitweise im Gletschervorland; Frost, Wind und Wasser formen die Landschaft. Offene Kältesteppen ersetzen vielerorts den Wald.

    Natur
    Gräser · Kräuter · Zwergsträucher
    Tiere
    Mammut · Wollnashorn · Wildpferd · Rentier
  6. nach der letzten Eiszeit

    Der Wald kehrt zurück.

    Historisch belegt

    Das Klima wird wärmer. Erst breiten sich Birken und Kiefern aus, später Hasel und dichtere Wälder. Über Jahrtausende entsteht die Waldwelt, in die später Menschen dauerhaft vordringen.

    Natur
    Birke · Kiefer · Hasel
    Tiere
    Elch · Auerochse · Wisent · Rothirsch · Reh · Wildschwein
  7. vor rund 4.000 Jahren

    Menschen finden Zinn.

    Historisch belegt

    Lange vor den berühmten Bergstädten wird im Erzgebirge bereits Zinn gewonnen. Archäologische Spuren bei Schellerhau belegen oberirdischen Zinnabbau um 2000 v. Chr. Das verschiebt den Beginn der erzgebirgischen Bergbaugeschichte weit zurück in die Bronzezeit.

    Menschen
    Erzsucher
    Arbeit
    Zinngewinnung
  8. vor etwa 1.000 Jahren

    Ein gewaltiger Wald liegt über den Bergen.

    Historisch belegt

    Wo später Dörfer, Bergstädte und Straßen liegen, erstrecken sich große Wälder. Das Gebirge ist nur dünn erschlossen. Ein Wald kann damals Grenze, Schutzraum und Gefahr zugleich sein.

    Natur
    Buche · Weißtanne · Fichte
    Tiere
    Braunbär · Wolf · Luchs · Rothirsch · Reh · Wildschwein

    Moment mal …

    War das der sagenhafte Miriquidi?

    Der Name Miriquidi ist in mittelalterlichen Quellen belegt. Ihn einfach mit dem gesamten heutigen Erzgebirge gleichzusetzen, ist jedoch zu einfach: Welche Waldgebiete damit jeweils genau gemeint waren, lässt sich nicht überall sicher bestimmen.

  9. 12. Jahrhundert

    Aus Wald wird Heimat.

    Historisch belegt

    Siedler roden Wald, bauen Höfe, legen Felder an und gründen Dörfer. Hinter vielen Höfen ziehen sich lange Landstreifen den Hang hinauf – die typischen Waldhufen. Um 1200 hat die dauerhafte Besiedlung bereits weite Teile des Erzgebirges erreicht.

    Natur
    Rodung · Äcker · Wiesen
    Menschen
    Siedler · Bauern · Familien
    Arbeit
    Roden · Bauen · Säen · Ernten
  10. 1168

    Silber verändert das Erzgebirge.

    Historisch belegt

    Bei Christiansdorf, dem späteren Freiberg, wird Silbererz entdeckt. Bergleute, Handwerker, Händler und ihre Familien kommen ins Land. Bergbau beginnt Landschaft, Arbeit und Gesellschaft des Erzgebirges grundlegend zu verändern.

    Menschen
    Bergleute · Handwerker · Händler
    Arbeit
    Silber · Bergbau · Hütten
    Macht
    Landesherr · Bergregal
  11. ab etwa 1185/1200

    Erzgebirgische Bergleute gehen in die Tiefe.

    Historisch belegt

    In Dippoldiswalde treiben Bergleute Schächte und Gänge tief in den Berg. Schon um 1210–1230 erreichen sie Tiefen von etwa 15 bis 26 Metern. Holz hält den Berg offen, Leitern führen hinab, Haspeln bewegen Lasten.

    Arbeit
    Schacht · Stollen · Erz
    Technik
    Haspel · Leitern · Grubenholz
    Natur
    Buche · Weißtanne
  12. 13.–14. Jahrhundert

    Silber ist erst der Anfang.

    Historisch belegt

    Neben Silber wird Zinn immer wichtiger. Für Ehrenfriedersdorf ist die Zinnerzgewinnung 1293 urkundlich belegt. Erz aus dem Gebirge verbindet die Region zunehmend mit weit entfernten Märkten.

    Arbeit
    Silber · Zinn · Erzverarbeitung
    Menschen
    Bergleute · Hüttenleute · Händler
    Technik
    Fördern · Aufbereiten · Verhütten
  13. 15.–16. Jahrhundert

    Aus erzgebirgischen Bergleuten werden Meister ihres Fachs.

    Historisch belegt

    Neue Funde treiben den Bergbau immer tiefer. Wasser muss beherrscht, Erz gefördert und Gestein vermessen werden. Aus harter Arbeit wird eine hoch spezialisierte technische Welt.

    Arbeit
    Bergmann · Steiger · Hüttenmann · Handwerker
    Technik
    Schächte · Wasserkraft · Förderung · Vermessung
    Menschen
    Spezialisten · Unternehmer · Bergbeamte
  14. 1527

    Das Erz gibt dem Gebirge seinen Namen.

    Historisch belegt

    Der Bergbau prägt die Region inzwischen so stark, dass sich auch ihr Name verändert. In Bergwerksakten erscheint 1527 erstmals die Bezeichnung „Erzgebirge“.

    Arbeit
    Silber · Zinn · Kupfer · Eisen · Kobalt

    Moment mal …

    Wie hieß das Erzgebirge vorher?

    Ältere Bezeichnungen waren nicht einheitlich. Quellen sprechen unter anderem vom Böhmischen Wald oder Böhmischen Gebirge. Auch der mittelalterliche Name Miriquidi wird mit Waldgebieten dieser Großregion verbunden – aber nicht sauber mit den heutigen Grenzen.

  15. 1618–1648

    Ein Krieg verwüstet Mitteleuropa – und erreicht die Berge.

    Historisch belegt

    Aus Konflikten um Religion und politische Macht wird der Dreißigjährige Krieg. Armeen ziehen durch Sachsen, brauchen Nahrung, Geld und Unterkünfte. Für die Bevölkerung bedeuten Krieg und Seuchen Tod, Flucht, Plünderung und wirtschaftlichen Zusammenbruch.

    Krieg
    Soldaten · Plünderung · Einquartierung
    Menschen
    Flucht · Hunger · Seuchen
    Arbeit
    Höfe · Bergbau · Handwerk
    Tiere
    Wolf
  16. nach 1648

    Die Erzgebirger fangen wieder an.

    Historisch belegt

    Nach drei Jahrzehnten Krieg beginnt der Wiederaufbau. Menschen aus Böhmen kommen über die Grenze, darunter protestantische Exulanten mit eigenen Kenntnissen und Handwerken. Wo ein Erwerb nicht mehr reicht, entstehen neue.

    Menschen
    Einheimische · Exulanten · Familien
    Arbeit
    Bergbau · Drechseln · Schnitzen · Heimarbeit
  17. 17. Jahrhundert

    Der Wald muss für fast alles herhalten.

    Historisch belegt

    Bergwerke brauchen Grubenholz. Hütten brauchen Brennstoff. Menschen brauchen Häuser und Feuerholz. Der Wald ist Lebensraum – und zugleich eine der wichtigsten Rohstoffquellen des Erzgebirges.

    Natur
    Buche · Tanne · Fichte · Kiefer
    Arbeit
    Bergbau · Hütten · Köhlerei · Bauholz
    Tiere
    Braunbär · Wolf · Luchs · Rothirsch · Reh · Wildschwein
    Macht
    Waldeigentum · Nutzungsrechte · Jagdrecht
  18. 1713

    Ein Sachse denkt weiter als bis zum nächsten Baum.

    Historisch belegt

    Hans Carl von Carlowitz kennt den gewaltigen Holzbedarf des Bergbaus. 1713 veröffentlicht er die „Sylvicultura oeconomica“, das erste rein forstliche Fachbuch in deutscher Sprache. Wald soll so bewirtschaftet werden, dass seine Nutzung dauerhaft möglich bleibt.

    Menschen
    Hans Carl von Carlowitz
    Arbeit
    Forstwirtschaft · Bergbau
    Natur
    Wald · Holz · Nachwuchs
  19. 18. Jahrhundert

    Der Wald gehört nicht einfach jedem.

    Historisch belegt

    Wald liefert Nahrung, Holz und Arbeit – doch seine Nutzung ist geregelt. Auch das Wild gehört nicht einfach demjenigen, der es findet. Jagd ist ein herrschaftliches Recht. Für Menschen, deren Felder vom Wild beschädigt werden, kann das bitter sein.

    Tiere
    Rothirsch · Reh · Wildschwein · Wolf
    Macht
    Jagdrecht · Forstrecht · Obrigkeit
    Menschen
    Bauern · Förster · Jäger

    Moment mal …

    Wo sind Bär und Luchs geblieben?

    Sie gehörten über Jahrhunderte zur Tierwelt Sachsens. Intensive Verfolgung drängt große Beutegreifer immer weiter zurück. Der Wolf ist um 1750 in weiten Teilen Deutschlands bereits als dauerhaftes Standwild verschwunden; einzelne Tiere werden noch lange danach erlegt.

  20. 1756–1763

    Preußen besetzt Sachsen.

    Historisch belegt

    1756 marschiert die preußische Armee in Sachsen ein. Der Siebenjährige Krieg wird zwischen europäischen Großmächten geführt und reicht weit über Sachsen hinaus. Für die Menschen hier bedeutet er vor allem Soldaten, Versorgungslasten, Abgaben und die Gefahr, selbst in den Krieg gezogen zu werden.

    Krieg
    Besatzung · Soldaten · Einquartierung
    Macht
    Preußen · Sachsen · Militär
    Menschen
    Zivilisten · Soldaten · Familien
  21. ab 1758

    Schwarze Husaren.

    Historisch belegt

    Im preußischen Heer entsteht 1758 eine Husareneinheit unter Wilhelm Sebastian von Belling. Ihre schwarze Uniform macht sie berühmt. Husaren sind schnelle leichte Reiter – eine Truppengattung mit ungarischen Wurzeln, die inzwischen auch andere europäische Armeen einsetzen.

    Krieg
    Husaren · Kavallerie · Preußen
    Menschen
    Wilhelm Sebastian von Belling

    Moment mal …

    Waren die Schwarzen Husaren Ungarn?

    Nicht Bellings Männer. Die Husarentradition stammt ursprünglich aus Ungarn und prägt Kleidung und Art dieser leichten Reiterei. Bellings Schwarze Husaren sind dagegen eine preußische Einheit des Siebenjährigen Krieges.

  22. 1762

    Und dann wird Carl geboren.

    Historisch belegt

    Das Erzgebirge hat sich längst verändert. Aus großen Wäldern sind Dörfer, Felder und Bergstädte geworden; erzgebirgische Bergleute haben sich tief in den Berg gearbeitet und eine hoch entwickelte Arbeitswelt geschaffen. Doch Krieg, Herrschaft, Wald- und Jagdrechte bestimmen weiterhin das Leben der Menschen.

    Dann wird in Scharfenstein ein Junge geboren:

    Carl Stülpner.

    Menschen
    Carl Stülpner · Familie · Scharfenstein
    Arbeit
    Landwirtschaft · Bergbau · Wald · Handwerk
    Macht
    Waldrecht · Jagdrecht · Obrigkeit
    Krieg
    Siebenjähriger Krieg
    Tiere
    Rothirsch · Reh · Wildschwein · Fuchs · Dachs · Hase

Materialien

Zum Mitnehmen.

  • Hintergrund PDF

    Das Erzgebirge um 1762

    Historischer Überblick über Region, Lebensbedingungen und Carls unmittelbare Welt.

    PDF herunterladen 64 KB
  • Quellenblatt PDF

    Quellen und Originalstellen zu Band 01

    Die wichtigsten historischen Nachweise, Überlieferungen und Literaturstellen des Bandes.

    PDF herunterladen 89 KB
  • Spurenblatt PDF

    Auf den Spuren Carl Stülpners

    Orte, historische Spuren und Hinweise zum eigenen Weiterforschen.

    PDF herunterladen 63 KB
  • Faktenblatt PDF

    1762 auf einen Blick

    Die wichtigsten Daten, Personen und Zusammenhänge rund um Carls Geburt.

    PDF herunterladen 71 KB

Bandaustritt

Brücke zum nächsten Band

Die Preise steigen.

Getreide und Vorräte werden knapp. Die Teuerung zieht durch Sachsen und das Erzgebirge.

Die Not verschärft sich.

Teuerung und Hunger erreichen die Region deutlich. Carl ist ungefähr neun Jahre alt.

Bandeintritt

Im Buch

Einordnung · 1770–1772

Warum ist dieser Band wichtig?

Carl ist noch ein Kind, als das Erzgebirge von einer schweren Hunger- und Teuerungskrise getroffen wird.

1770 beginnt eine Folge ungewöhnlicher Wetterereignisse und schlechter Ernten. 1771 wird die Ernte erneut vernichtet. Die Preise für Getreide und Brot steigen dramatisch. Anfang 1772 verschärft die Sperre der böhmischen Getreideausfuhr die Lage zusätzlich. Aus Teuerung wird Hunger.

Menschen verkaufen ihren Besitz, suchen auf Feldern nach Essbarem und kochen Gras zu Brei. Krankheiten breiten sich unter den geschwächten Menschen aus. Viele sterben. Andere verlassen ihre Heimat und ziehen über die Landstraßen.

Auch Scharfenstein und Carls Familie bleiben davon nicht verschont.

Band 02 zeigt damit nicht einfach einen harten Winter oder eine schlechte Ernte. Er zeigt eine Zeit, in der Carl erlebt, wie schnell Armut zu Hunger werden kann – und wie wichtig es ist, einen Menschen in Not nicht einfach liegen zu lassen.

Diese Erfahrungen gehören zu den prägenden Jahren seiner Kindheit und helfen zu verstehen, warum Gerechtigkeit, Hilfe und der Blick auf die Not anderer in seinem späteren Leben eine so große Rolle spielen konnten.

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Brennende Fragen

Nachweise

Woher wissen wir das eigentlich?

Belegt, überliefert oder erzählerisch verdichtet: Hier wird die Quellenlage zu Band 02 sichtbar – ohne erfundene Primärquellen.

Historisch belegt Überliefert Künstlerisch verdichtet

Quellen & Nachweise

  • Das Wetter

    1770 und 1771 häufen sich ungewöhnliche Wetterereignisse.

    Historisch belegt

    Historischer Kontext

    Pietzonka nennt konkrete Wetterereignisse: 1770 Gewitter im Januar, Hochwasser der Zschopau, Schnee vom 18. bis 22. März und einen nassen Sommer. 1771 einen milden Winter, Ackern bereits im Februar, Schnee im Mai und anschließend Regen bis in den August.

    Einordnung

    Diese Wetterfolge wird bei Pietzonka unmittelbar mit den schlechten Ernten und der beginnenden Teuerung verbunden.

    Literatur

    Johannes Pietzonka
    Carl Stülpner – Legende und Wirklichkeit
    S. 19-20

  • Preise und Hunger

    Getreide und Brot wurden innerhalb kurzer Zeit extrem teuer.

    Historisch belegt

    Nachweis

    Pietzonka nennt konkrete Preise für Korn, Weizen, Gerste, Hafer und Brot zwischen Januar 1770 und Juni 1772. Beispiel Korn: Januar 1770 – 1 Taler 12 Groschen je Scheffel; Juli 1771 – 10 Taler; Juni 1772 – 13 Taler 15 Groschen.

    Historischer Kontext

    Pietzonka nennt für 1770 einen durchschnittlichen Tageslohn von 4 Groschen.

    Einordnung

    Damit lässt sich die Dimension der Teuerung unmittelbar nachvollziehen. Grundnahrungsmittel wurden für arme Familien zunehmend unbezahlbar.

    Literatur

    Johannes Pietzonka
    Carl Stülpner – Legende und Wirklichkeit
    S. 19-20

  • Das große Wandern

    Menschen verließen während der Hungerkrise ihre Heimat und ihre Familien.

    Historisch belegt

    Historischer Kontext

    Pietzonka beschreibt Kinder, die um Brot betteln, Menschen, die ihren Besitz verkaufen, und Hungernde, die Gras, Baumrinde und Wurzeln essen. Anschließend berichtet er vom „großen Wandern“: Alte Menschen verlassen ihre Kinder, Kinder ihre Eltern. Hunderte ziehen über die Landstraßen.

    Einordnung

    Die wandernden und geschwächten Menschen im Kinderbuch stehen damit in einem historisch belegten Umfeld. Die konkreten Figuren und Begegnungen des Kinderbuches bleiben jedoch erzählerische Gestaltung.

    Literatur

    Johannes Pietzonka
    Carl Stülpner – Legende und Wirklichkeit
    S. 20-21

  • Scharfenstein

    Die hohe Sterblichkeit ist für Carls unmittelbare Heimat dokumentiert.

    Historisch belegt

    Nachweis

    Pietzonka berichtet aus dem Totenregister von Großolbersdorf. Am 18. Juli 1771 waren bereits 75 Tote des Jahres begraben worden. Danach bricht das Register ab. Für 1772 nennt Pietzonka 154 Tote. Für 1774: 21 Tote.

    Historischer Kontext

    Pietzonka zitiert für den 18. Juli 1771 den Hinweis, dass keine Träger mehr aufzutreiben seien und die Leichen vom Totengräber mit dem Schubkarren gefahren würden.

    Einordnung

    Die Hungerkrise ist damit nicht nur allgemein für Sachsen oder das Erzgebirge greifbar, sondern unmittelbar für Carls Lebensumfeld.

    Literatur

    Johannes Pietzonka
    Carl Stülpner – Legende und Wirklichkeit
    S. 21-22

  • Carls Vater

    Johann Christoph Stülpner könnte der Hungersnot zum Opfer gefallen sein.

    Überliefert

    Einordnung

    Das ist eine historisch begründete Schlussfolgerung Pietzonkas, aber kein eindeutiger Nachweis der konkreten Todesursache.

    Grundlage

    Pietzonka schreibt, man könne „mit aller Wahrscheinlichkeit“ sagen, dass Carls Vater Johann Christoph ein Opfer der Hungersnot geworden sei.

    Literatur

    Johannes Pietzonka
    Carl Stülpner – Legende und Wirklichkeit
    S. 22

  • Die Szenen im Buch

    Band 02 verdichtet die historische Hungerkrise zu Carls Geschichte.

    Künstlerisch verdichtet

    Grundlage

    Historisch belegt sind Wetter, Missernten, Teuerung, Hunger, Krankheit, hohe Sterblichkeit und die Wanderbewegungen der Bevölkerung.

    Historischer Rahmen

    Pietzonkas Darstellung beschreibt genau die Welt, in der der junge Carl während dieser Jahre lebte.

    Gestaltung im Band

    Die konkreten Begegnungen, Dialoge, Strups’ Rolle und einzelne Handlungsabläufe des Kinderbuches sind erzählerische Gestaltung. Die historischen Zustände werden damit nicht erfunden – die Geschichte macht sie für Kinder erlebbar.

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Hungerjahre

Eine Krise aus Wetter, Preisen und Hunger.

Die Teuerungs- und Hungerkrise der frühen 1770er Jahre lässt sich nicht auf einen einzigen Auslöser reduzieren. Für das Erzgebirge beschreibt Pietzonka eine Abfolge ungewöhnlicher Wetterereignisse, Missernten, steigender Getreidepreise, Hunger, Krankheit und Wanderungsbewegungen.

  1. 1770

    Ungewöhnliche Wetterfolge

    Historisch belegt

    Pietzonka beschreibt den Januar 1770 bereits als auffällig: Gewitter, viel Wasser in der Zschopau. Vom 18. bis 22. März fällt Schnee; viele Vögel erfrieren; die Wintersaat verdirbt. Der Sommer bleibt nass. Die Ernte bringt wenig ein. Entscheidend ist nicht der einzelne Extremtag, sondern die dichte Folge ungünstiger Bedingungen in einem Versorgungsjahr.

    Natur
    Gewitter · Hochwasser · Spätschnee · Nässe
  2. 1770

    Preise beginnen zu steigen

    Historisch belegt

    Im Verlauf des Jahres 1770 steigen die Getreidepreise deutlich. Pietzonka nennt für einen Scheffel Korn im Januar 1 Taler 12 Groschen, im Dezember bereits 4 Taler 12 Groschen. Ein Brot zu 7 Pfund steigt von 26 Pfennig auf 4 Groschen 8 Pfennig. Der durchschnittliche Tageslohn wird mit 4 Groschen angegeben. Damit wird Teuerung messbar: Nahrung beansprucht einen immer größeren Teil eines geringen Einkommens.

    Arbeit
    Getreide · Brot · Tageslohn
    Menschen
    arme Haushalte
  3. 1771

    Die Kaskade verschärft sich

    Historisch belegt

    Nach der Missernte 1770 folgt kein Erholungsjahr. Der Winter 1770/71 ist ungewöhnlich mild; schon im Februar können Bauern ackern. Im Mai liegt erneut Schnee. Danach regnet es bis in den August. Die Ernte wird vernichtet. Die Krise wird damit chronisch: Reserven sind erschöpft, der nächste Ausfall trifft härter.

    Natur
    milder Winter · Maitschnee · Dauerregen
    Arbeit
    vernichtete Ernte
  4. 1771–1772

    Preise explodieren

    Historisch belegt

    Im Juli 1771 nennt Pietzonka für einen Scheffel Korn 10 Taler – gegenüber 1 Taler 12 Groschen im Januar 1770. Im Juni 1772 erreicht der Preis 13 Taler 15 Groschen; Weizen 14 Taler; Brot zu 7 Pfund 10 Groschen und mehr. Zugleich sperrt Böhmen im Januar 1772 die Getreideausfuhr nach Sachsen. Die Krise betrifft damit nicht nur die eigene Ernte, sondern auch die Versorgung von außen.

    Arbeit
    Korn · Weizen · Brot
    Menschen
    Versorgung aus Böhmen
  5. 1772

    Hunger, Ersatznahrung, Krankheit

    Historisch belegt

    Pietzonka beschreibt Kinder, die um Brot betteln, Menschen, die Möbel, Kleidung und Wäsche verkaufen, und Hungernde, die Gras, Baumrinde und Wurzeln essen. Auf den Hunger folgt Fieber. Zeitgenössische Totenregister sprechen vom Sterben „am Menschenelend“. Hunger ist hier nicht nur fehlende Kalorien – er schwächt und öffnet Krankheiten den Weg.

    Menschen
    Betteln · Verkauf von Besitz · Fieber
    Natur
    Gras · Rinde · Wurzeln
  6. 1771–1772

    Scharfenstein zählt die Toten

    Historisch belegt

    Für Carls unmittelbare Heimat nennt Pietzonka Angaben aus dem Totenregister von Großolbersdorf. Am 18. Juli 1771 waren bereits 75 Tote des Jahres begraben; danach bricht das Register ab. Für 1772 nennt er 154 Tote, für 1774 nur 21. Zum 18. Juli 1771 zitiert er den Hinweis, dass keine Träger mehr aufzutreiben seien und Leichen mit dem Schubkarren gefahren würden. Die hohe Sterblichkeit ist damit lokal dokumentiert – nicht nur allgemein für Sachsen.

    Menschen
    Totenregister · Begräbnisse
  7. 1772

    Carls Vater – Wahrscheinlichkeit statt Gewissheit

    Überliefert

    Pietzonka schreibt, man könne „mit aller Wahrscheinlichkeit“ sagen, dass Carls Vater Johann Christoph ein Opfer der Hungersnot geworden sei. Das ist eine historisch begründete Schlussfolgerung – kein eindeutiger Nachweis der konkreten Todesursache. Wahrscheinlichkeit ist nicht dasselbe wie dokumentierte Gewissheit.

    Menschen
    Johann Christoph Stülpner
  8. Buch und Geschichte

    Rahmen belegt – Szenen gestaltet

    Künstlerisch verdichtet

    Historisch belegt sind Wetter, Missernten, Teuerung, Hunger, Krankheit, hohe Sterblichkeit und Wanderungsbewegungen. Erzählerisch gestaltet sind die konkreten Begegnungen Carls, Dialoge, Strups und einzelne Hilfsszenen. Das Buch erfindet nicht die Krise. Es gestaltet Erlebnisse innerhalb eines historisch belegten Krisenraums.

  9. nach 1772

    Verarmung bleibt

    Historisch belegt

    Zu Weihnachten 1772 kostet ein Brot laut Pietzonka wieder 4 Groschen. Die unmittelbare Versorgungskrise lässt nach. Zurück bleibt ein verarmtes Erzgebirge: Viele haben Arbeit, Besitz und Angehörige verloren. Pietzonka beschreibt ein „Heer arbeitsloser, armer Menschen“ auf den Landstraßen. Das Ende der Extrempreise ist nicht die Rückkehr zum alten Leben.

    Menschen
    Verarmung · Arbeitslosigkeit
    Arbeit
    Verlust von Besitz

Materialien

Zum Mitnehmen.

  • Faktenblatt PDF

    1770–1772 auf einen Blick

    Die wichtigsten Daten, Preise und Zusammenhänge der Teuerungs- und Hungerjahre im Erzgebirge.

    PDF herunterladen 89 KB
  • Hintergrund PDF

    Das Erzgebirge in der Teuerungskrise

    Historischer Hintergrund zu Lebensbedingungen, Versorgung, sozialer Ordnung und Carls unmittelbarer Welt 1770–1772.

    PDF herunterladen 78 KB
  • Quellenblatt PDF

    Quellen und Originalstellen zu Band 02

    Historische Nachweise mit klarer Trennung zwischen Quelle, Schlussfolgerung und künstlerischer Gestaltung.

    PDF herunterladen 96 KB
  • Spurenblatt PDF

    Auf den Spuren der Teuerungsjahre

    Orte, Landschaft und Quellenhinweise zum eigenen Weiterforschen rund um Band 02.

    PDF herunterladen 74 KB

Bandaustritt

Brücke zum nächsten Band

Die Hungerjahre hinterlassen tiefe Spuren.

Die schlimmste Not beginnt nachzulassen. Doch viele Familien im Erzgebirge haben Angehörige, Besitz und ihre wirtschaftliche Sicherheit verloren.

Carl verliert seinen Vater.

Pietzonka hält es für sehr wahrscheinlich, dass Johann Christoph Stülpner während der Hungersnot starb.

Für Carl beginnt ein neuer Abschnitt.

Sein Weg führt nach Ehrenfriedersdorf.

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